Geschichte

Die Geschichte des Vereins ist sehr wechselvoll und blieb natürlich auch von den Geschehnissen der jeweiligen Zeit nicht unberührt. Eine genauere geschichtliche Recherche wäre ein spannendes, aber natürlich auch sehr zeitaufwändiges Unterfangen. Gesichert ist, dass der Verein am 24. April 1929 mit einer 1. Satzung gegründet wurde. Als einziges und bisher noch bekanntes Gründungsmitglied war Frau Birgit Stadler beteiligt, sie war Ehrenmitglied und ist 1980 verstorben.
Der Verein nannte sich ursprünglich „Tierschutzverein Regensburg“ und wurde 1972 umgeändert auf „Tierschutzverein Regensburg und Umgebung“.

Erinnerungen, Reflektionen über alte Tierheimzeiten (Von Dr. vet. Wetzstein)

Es war in den Anfängen meiner tierärztlichen Tätigkeit 1959/60, als ich von meinem Kollegen Dr. von Schwanenflug, der sich wieder seiner alten Profession, dem Dienst als Militärveterinär zuwandte und nach Stuttgart zog, das Tierheim des Regensburger Tierschutzvereins übernahm. Das Heim war damals auf dem Sandberg, der von allen Regensburger Adressen neben dem Pulverturm einen besonders schlechten Ruf genoss. Kollege v. Schwanenflug sollte mich im Tierheim einführen, mit dem Wärterehepaar, mit den ganzen Gegebenheiten bekannt machen. So nahm er mich denn eines Nachmittags mit und wir fuhren mit seinem alten VW den Gern hinauf.

Die Strasse ging in einen holprigen Weg über, überall Baracken, und ich erinnerte mich, dass ich dort im damaligen Nordheim anno 1945 als 16jähriger zur Volkssturmausbildung im eiskalten Februar furchtbar gefroren hatte. Diesmal war es heiß, und im Gras saßen Frauen, dazwischen spielten viele, viele Kinder, Grammophone und Radios dudelten, Männer spielten Karten und schwenkten, manche nicht mehr nüchtern, Bierflaschen. Mein Kollege meinte, die Polizei sei hier sehr häufig anwesend. Etwas abseits von dem bunten Treiben standen mehrere Baracken, von einem hohen, tausendmal geflickten Bretterzaun umgeben, der oben mit Stacheldraht abgesichert war: DAS TIERHEIM !

Nach dem Läuten einer schrillen Glocke, die Tote zu erwecken imstande war, erhob sich ein ohrenbetäubendes Hundegebell. Nach einiger Zeit wurde geöffnet, und vor uns stand ein älterer, grauhaariger, hagerer Mann mit dicker Brille auf der Nase, der mich mit misstrauischen Blicken musterte. Es war der Tierwärter Herr Stingl. Dr.v. Schwanenflug stellte mich als seinen Nachfolger vor, und wir schüttelten uns die Hände.

>Der Beginn einer angenehmen, jahrelangen Zusammenarbeit war besiegelt.<

„Else“ brüllte Stingl mit rauher Stimme, und alsbald wuselte eine magere, kleine, lebhafte Frau herbei: Seine Frau, eine seelengute, überaus fleißige, alte Dame. Das Heim wurde mir gezeigt. Nun ja, „Heim“ war übertrieben, mehrere alte, reparaturdürftige, an vielen Stellen notdürftig geflickte Baracken waren es. Über dem Ganzen lag ein „strenger“ Geruch nach Desinfektionsmitteln, Kot, Urin, vermischt mit Düften aus der Futterküche. Hygiene und Sauberkeit waren gut, die Räume überbelegt.

Dutzende von Hunden saßen getrennt nach Geschlecht und Temperament in ärmlichen Boxen und Zwingern. Die Katzen waren in wenigen Zimmern untergebracht, dicht gedrängt. Die Katzenklos waren mit Sand gefüllt, denn Katzenstreu und geruchsbindende Mittel gab es damals noch nicht. Die Kistchen wurden zwar regelmäßig sauber gemacht, dennoch war ein penetranter Geruch in den Räumen.

Nur gut, daß man als Tierarzt keine empfindliche Nase hat. Mein erster Eindruck war, hier fehlt es an allen Ecken und Enden, vor allem an Geld, nicht aber am guten Willen der Tierwärter, die Tag und Nacht im Einsatz waren. Auch die Vorstandschaft bemühte sich redlich, aber mangelnde Gelder konnten die Defizite nicht beheben. Meine Aufgabe war nun neben täglichen Verletzungen durch Beißereien, Durchfällen, Parasitenbefall und anderen kleinen Wehwehchen dafür zu sorgen, daß keine Seuchen ausbrachen. Es waren in den 60er und 70er Jahren die Zeiten der großen Seuchenzüge: Staupe, Stuttgarter Hundeseuche, Katzenschnupfen, Katzenseuche usw. grassierten. Die Impfstoffe dagegen waren meist erst noch im Stadium der Entwicklung und außerdem sehr teuer.

Die Behandlungsmöglichkeiten beschränkt. Die erkrankten Tiere konnten mangels einer Isolierstation nicht oder nur unvollständig separiert werden und steckten sich gegenseitig an. Besonders gefährdet waren die Jungtiere, die den Krankheitskeimen noch schutzlos ausgeliefert waren. Die Katzen vermehrten sich stark, da immer wieder Kater unter die weiblichen Tiere gerieten, bis ich das Plazet erhielt systematisch Kastrationen durchzuführen. In den 70er Jahren trat bei den Hunden die gefürchtete Parvovirose (Katzenseuche des Hundes) auf. Aus Amerika „importiert“ via Frankreich nach Deutschland eingeschleppt, grassierte sie auch bei uns.

Eine Unzahl von Hunden fiel ihr zum Opfer. Auch unser Tierheim blieb nicht verschont. Es gab noch keinen Impfstoff dagegen. Zu dieser Zeit war der tierärztliche Beruf im wahrsten Sinne des Wortes „beschissen“, denn die Seuche äußerte sich vor allem durch wässerige, stinkende, unstillbare Durchfälle und Erbrechen.

Die täglichen Besuche im Tierheim waren echte Horrortrips.

Hunde, die am Tage zuvor noch putzmunter waren, lagen am Morgen verendet in ihrem Kot und Erbrochenem. Es war eine besonders schwere Zeit für das Tierwärterehepaar und ein paar Helfer, die unermüdlich im Dauereinsatz waren.

Zu dieser Zeit reiften dann endlich nach langen Beratungen, Überlegungen, Ortsbesichtigungen, Bittgängen bei der Stadt, Firmen, potenten Geschäftsleuten und dergleichen um Geld, Spenden, Darlehen, Kostenübernahmen, Stiftungen, Erbschaften, kostenlosen Material-lieferungen der Plan das Tierheim am Sandberg aufzugeben und ein neues zu erbauen. Die Vorstandschaft, besonders der damalige Vorsitzende Herr Seifert als Direktor bei der Allianz setzte Verbindungen und Beziehungen ein, um die nötigen Gelder aufzutreiben, ein modernes Heim mit allem Drum und Dran zu erbauen.

Ein großzügiger Plan wurde erstellt. Allein die Kostenvoranschläge übertragen bei weitem die Möglichkeiten des Vereins. Der Rotstift musste angesetzt werden, um wenigstens Minimalerfordernisse erfüllen zu können. So konnte sich der Tierarzt mit seiner Forderung nach einer Isolierstation für kranke Tiere oder verdächtige Neuzu-gänge nicht durchsetzten, was denn auch manche vermeidbare Ansteckung zur Folge hatte. Eine neue, jüngere Generation von Tierwärtern löste unsere verdienstvollen Stingls ab. Die Familie Kauer brachte ihre Tierliebe, Tatkraft, Einsatz zum Wohle unserer Schutzbefohlenen in das neue Tierheim ein, das nunmehr größeren Anforderungen entsprach, sei es in hygienischer Hinsicht oder auch Unterbringungsmöglichkeiten mit genügend großen Boxen, Zwingern und Ausläufen.

Die Anfänge am Gern waren den damaligen doch recht turbulenten Zeiten mit vielen Krisen, die sich nur durch guten Willen, ständigen Einsatz, Improvisation lösen ließen, angepasst. Die Umsiedlung in das neue Tierheim brachte eine gewaltige Verbesserung der ganzen Gegebenheiten, die sich nun letztlich heute durch die fast profihafte Führung von Heim und Verein zur vollsten Zufriedenheit für Tiere, Pfleger, Mitglieder usw. entwickelte.

So können wir Tierschützer hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Dr.vet.Wetzstein



Nach der Erweiterung des Tierheims um das Katzenhaus 1997 wurde auch die Geschäftsstelle des Vereins, welche zuvor unter anderem in Regensburg am Königshof, in der Pfarrergasse, an der Steinernen Brücke (Brückstrasse) und dann in der Engelburgergasse war, im Jahr 2000 aus Kostengründen ins Tierheim verlegt.

Im Zuge der Erstellung dieser Festschrift haben wir versucht, die Vorstände des Vereins zu ermitteln. Leider sind wir bei unseren Nachforschungen auf einige Schwierigkeiten gestoßen. So konnte uns das Amtsgericht nur Informationen ab 1954 zugänglich machen, weshalb die Liste der hier aufgeführten Vorstände erst ab diesem Zeitpunkt beginnt.

Gleichzeitig waren die alten Akten des Tierschutzvereins inzwischen durch die vielen Umzüge und den „Zahn der Zeit“ nur noch sehr beschränkt nutzbar. Eine Recherche in Pressearchiven hat aus Zeitmangel nicht stattgefunden. Besonders schön wäre es, wenn sich jemand finden würde, der die Geschichte des Vereins erforschen möchte.

Einweihung des Katzenhauses

Im Jahr 2012 wurde der Bau eines neuen Hundehauses in Angriff genommen, Fertigstellung war im Sommer 2014. Es folgte 2015 die Einrichtung einer Tierarztpraxis mit entsprechenden Quarantäneräumen. Auch eine Vogelvoliere wurde angelegt. Die Plätze im Katzenhaus reichten im Laufe der Jahre bei weitem nicht mehr und so wurden die letzten freien Quadratmeter des Grundstückes mit einem Erweiterungsbau versehen. Baubeginn 2019, bezugsfertig Ende 2020.